Donnerstag, 28. Februar 2008

Kunst und Kultur in Castro

Jaja, das Volksfest von Chiloé! Gemeinsam mit einem Haufen Castroaner saßen wir in einem kleinen, stickig-heißen Bus, der sich so langsam die Hügel hochgequält hat, dass wir mehrmals versucht waren, auszusteigen und zu laufen. Schließlich kamen wir an, haben mil pesos oder so als Eintritt gezahlt, und sind auf die vielen kleinen Zelte zugestapft, aufgeregt um uns schauend. Es war ziemlich nass und regnerisch, und alle waren gut verpackt in Regenjacken, Mützen, etc. Außer uns waren nur Chiloten da, erst gegen Ende haben wir vereinzelt ein paar ausländisch aussehende Besucher gesehen. Der Eingangsbereich war den "Fresstempeln" gewidmet. Hungrig sind wir alle erstmal abgelaufen, konnten uns aber nicht entscheiden. Irgendwie hatten alle das Gleiche! Schließlich haben wir irgendwo haltgemacht und wollten jeder so einen Teller, wie sie viele um uns gegessen hatten: gegrilltes Schwein und dicke, teigige Fladen. Das Schwein war aber alle, und so haben wir nur drei Portionen Fladen bekommen, in einer Plastiktüte. Wir hatten vorher schon gerätselt, was das war, und unsere Vermutung hat sich bestätigt: eine Art Kartoffelbrei, mit so etwas wie Hackfleich eingerieben. Das Ganze wird um ein riesiges Nudelholz geklatscht, das sich über einem kleinen Feuer dreht. Es ist echt ganz lecker, aber unglaublich fettig, und wir haben vielleicht gerade mal eine Portion geschafft (wollten aber auch nicht so viel essen, da wir noch anderes probieren wollten). Dann ging es weiter zu den Handwerksständen, die um eine große, an einem Hang liegende Wiese verteilt waren. Es gab ganz viele Holz- und Stricksachen, und die meisten Händlerinnen haben in ihren Ständen eifrig weitergestrickt. Handschuhe, Socken, Hausschühe, Mützen, Umhänge, Röcke - alles aus Wolle! Besonders schön fanden wir die Mützen, die wir schon an einigen Besuchern gesehen hatten: Zipfelmützen, aber mit richtig langem Zipfel! Es hat auch nicht lange gedauert, bis Lena und ich beide eine hatten (Robin hat sich gesträubt, könnte aber Lenas Mütze vererbt bekommen, da sie ihr zu groß ist). Außerdem gab es Stricknadeln aus Holz, Lachs- und Ajocreme, viele verschiedene Kräuter, Marmeladen, Liköre, Ohrringe, Täschchen, etc. etc.
In der Mitte der Wiese waren ein paar Gehege aufgebaut, in denen z. B. schon geschorrene Schafe zitterten (Lena und ich waren sehr enttäuscht, wir wollten doch gerne scheren!). Nebendran gab es Apfelmost zu kaufen, und unter großem Gelärme und Gelächter konnte man dort mit großen Knüppeln selbst die Äpfel zerschlagen. Wir waren ganz interessiert und haben sogar dem Kommentator ein Zeichen gemacht, dass wir das auch gerne mal machen würden, aber im letzten Moment haben wir doch die Flucht ergriffen ...
Außerdem gab es ein Gespann riesiger Ochsen, das kreischende Leute auf einem Schlitten einmal um den Platz gezogen hat. Sie waren wirklich unglaublich gigantisch groß, und als ich einem von ihnen vorsichtig den Hals tätscheln wollte und er unwillig den Kopf geschüttelt hat, hab ich einen ganz schönen Satz gemacht! Etwas weiter oben gab es noch weitere Tiere: Schweine, Ziegen, Lamas.
Später haben wir noch etwas Wein getrunken und weitere Spezialitäten probiert: Choripan (würzige kleine Würstchen in etwas Brot) und leckere Spieße.
Insgesamt war es sehr nett, aber nicht soooo überwältigend, wie man uns weismachen wollte. Als wir genug gesehen, gekauft, gegessen und getrunken hatten, sind wir wieder heim, aber diesmal zu Fuß, weil es auf der Hinfahrt so stickig war. Wir haben uns erstmal erschöpft auf unsere Betten geknallt und ferngeschaut, aber später hat sich der Hunger doch noch mal gemeldet. An der Ecke zum Plaza de Armas gab es ein Restaurant, das mit "31 Pizzasorten" und "el arte de hacer pizzas" warb. Das klang doch ganz gut! Nach einer Runde Auslosen mußten Robin und ich die Pizza holen und haben uns geschworen, nie wieder mit der Lena zu losen! Die Pizza kam in großen, vielversprechenden Pappschachteln, aber das war auch das einzig Gute an ihr: nicht gut!

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