Liebe Freunde und Kollegen,
wir sind auf Chiloé angekommen, der kleinen gruenen Insel bei Puerto Montt, von der ausnahmslos jeder Chilene schwaermt. Jetzt mal gucken, ob sie haelt, was sie versprachen!
Gestern Abend hat das Inseldasein nicht wirklich gut begonnen; wir kamen naemlich ganz knapp zu spaet (Bus hatte Verspaetung), und die Uebernachtungsgelegenheit, die Sonia uns verschafft hatte, war schon fort. Dabei handelt es sich naemlich um eine Jazzband, die zur Eroeffnung der grossen Fiesta, die hier dieses Wochenende stattfindet, spielen sollte. Und dafuer sind sie eben schon nachmittags losgefahren (die Fiesta findet etwas ausserhalb statt). Also sind wir in einer abenteuerlichen Spelunke untergekommen, ganz oben auf dem Berg. Wir sind dann losgezogen, um Essen zu kaufen, aber es war wie verhext: die meisten Supermaerkte hatten kein Gemuese, und als wir uns schliesslich entschlossen hatten, dann eben eine Tomatensahnewodkasosse zu machen, mussten wir ewig suchen, bis wir eine kleine Flasche Wodka gefunden haben. Wieder daheim angekommen, hat sich herausgestellt, dass wir keine Zwiebeln mehr und nur noch wenig Knoblauch hatten (essentielle Ingredienten). Also bin ich nochmal losgezogen, aber in dem ersten Supermarkt hab ich keinen Knoblauch gefunden und nur ein Netz mit Schalotten. Ich hab die also mitgenommen und wir haben sie verarbeitet, nur um festzustellen, dass es keine Schalotten waren: es stand ajo drauf, und sie haben auch etwas nach Knoblauch geschmeckt, waren aber auch irgendwie wie Kartoffeln (und eben so gross wie grosse Schalotten). Sie sind sofort grauenhaft bitter geworden. Also sind wir nochmal losgezogen, aber in allen Geschaeften war nur diese komische Sorte Knoblauch zu bekommen, nicht der normale. Er heisst ajo de sol oder so. Schliesslich hab ich welchen gefunden, zwar auch den Sonnen-Knoblauch, aber in einer normaleren Groesse. Zwiebeln haben wir auch bekommen, aber sie haben sich merkwuerdig verhalten: sie haben unglaubliche Mengen Wasser produziert und haben (zumindest leicht) nach Fenchel geschmeckt. Iiih. Letzten Endes haben wir aber doch ein Essen zustande gekriegt, das sogar recht lecker war. Haben dann noch viel ferngeschaut; die Leichen sind nur so gepurzelt, und ich wollte nicht mehr am Fenster schlafen. Ging aber dann doch alles irgendwie, auch wenn die Nacht recht laut war: staendig sind Leute in die Kueche (direkt neben uns) gekommen und haben sich lecker riechende Steaks gebraten, das Licht im Hof (=in meinem Fenster) an- und ausgemacht und froehlich gegroehlt und gesungen. Trotzdem sind wir jetzt einigermassen ausgeschlafen und guter Dinge.
Werden nachher mal auf diese Feria gehen und den Leuten beim Wollespinnen, Schuhe herstellen, etc. zugucken und leckeres Essen in uns reinstopfen. Hm!
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