Samstag, 19. Januar 2008

Ein Rudel raeudiger Waschbaeren


Ein ganz schoen (sonnengefuellter) Tag liegt hinter mir, amigos!
Gestern Abend im Hostel hab ich ein nettes Maedel in meinem Alter kennengelernt, Nina aus Berlin. Sie reist auch allein und ist eigentlich continuity editor beim Film. Cool, was? Sie ist jetzt zwei Monate hier, um zu surfen. Und seit drei Jahren ist sie Buddhistin. Wir hatten uns also unglaublich viel zu erzaehlen. Eine Zeitland hat sich auch noch Al aus meinem Zimmer dazugesetzt, den sie auch kannte. Er und der andere im Zimmer (ein Italiener) sind abends weggegangen, und ich musste ihnen nachts aufmachen, als sie wiederkamen. Alles etwas stressig mit fremden Leuten im Zimmer. Jetzt sind sie weg, dafuer ist ein israelisches Paerchen da. Das schlaeft, obwohl hier grad mal 7 ist. Ruecksichtsvoll hab ich daraufhin kein Licht gemacht, sondern nur im Schein des reinfallenden Lichts von draussen nach meinen Sachen vom Duschen gekramt. Dann hat der Typ auf einmal irgendwas gemurmelt und die Tuer zugeknallt. Sehr freundlich. Die sind mir gleich mal unsympathisch, aber mal sehen, wenn sie ausgeschlafen sind (wahrscheinlich so sehr, dass sie auch die ganze Nacht Party machen wollen).
Ich bin jedenfalls kurz vor 7 aufgestanden (eigentlich hat der Wecker ja um 6 geklingelt, aber ...). Zuerst wollte ich im Hostel fruehstuecken, wo es echt lecker und billig ist (Pancakes! Frische Fruechte!), aber da hat mein Magen noch nicht mitgemacht, also hab ich mir im mus(m)anni, das immer noch da ist, liebe Manuel Antonio-Reisende, ein paar Gebaeckstueckchen und Wasser gekauft. Dann musste ich erst noch einen Haufen Einheimischer abwimmeln, die mir partout eine Tour aufschwatzen wollten, und dann war ich im Park. Ich hab dann erstmal eine kleine Wanderung gemacht. Es waren echt schon einige Leute unterwegs! Leider hatte ich vergessen, mich in gedeckten Farben, wie empfohlen, zu kleiden, und stiefelte mit einem knallorangenen Rock durch die Gegend. Aber naja, ich hab trotzdem Tiere gesehen, hurra! Ein riesiges knalloranges Heuschrecken-Insekt, das immer eine Stufe vor mir gehopst ist, ein paar Nanas oder Agutis oder wie auch immer diese riesigen Nager heissen, die hier auf duennen Beinchen und mit ovalen Koepfchen durchs Unterholz schleichen, und Affen, Affen, Affen. Ausserdem hat es staendig geheimnisvoll geknackst und geschwirrt.
Irgendwann bin ich dann aber an den schoenen Strand gegangen und hab mich irgendwo in den Schatten gelegt. Im Gegensatz zu den sonst eher mittelpraechtigen Straenden ist der wirklich wunderschoen: schneeweisser, ganz feiner Sand, eine sanfte Bucht, Palmen und schoene Baeume, ein paar malerische Felsbrocken weiter hinten im Wasser ... - meine Nachbarin war eine junge Tica, die mir geraten hat, meine Tasche irgendwo anzubinden, sonst sei sie fort. Ein paar Affen hatten ihr mal eine Tasche geklaut, und da war auch ihr ganzes Geld drin gewesen. Sie meinte auch, es macht nichts, dass sie sehr schwer sei, dann kaemen einfach gleich fuenf Affen auf einmal, um sie fortzuschleppen. Eine organisierte Bande! Also hab ich die Tasche an eine nahe Wurzel gebunden und hab, nach einem kleinen Bad, erstmal gelesen. Erst auf einen Zuruf der Tica hab ich aufgeschaut, und da hatte ich die erste Waschbaerschnauze schon fast im Ohr. Das sind vielleicht neugierige, un-scheue Viecher! Die sind erstmal um mich rumgewuselt und haben mich garnicht beachtet, um dann zu meiner Tasche weiterzulatschen. Vier, fuenf Dinger! Ich bin mit meinem Schuh und hab versucht, sie wegzuschieben, aber sie haben mich wieder nicht beachtet! Sie haben dann alle fuenf ihre Pfoten und Zaehne in die Tasche gehauen, dran gezerrt und appetitangeregt geknurrt. Ich hab auch an der Tasche gezerrt, aber sie haben mich, wie gesagt, kaum beachtet. Davon haett ich echt gern ein Bild gehabt! Meine hilfreiche Nachbarin hat mir geraten, einen Stock zu nehmen, aber das einzige, was da war, war ein schwacher halber Palmwedel. Aber wie der geholfen hat! Ich war ganz erstaunt. Ich konnte sie ganz einfach wegschieben und sie kamen dann auch nicht wieder.
Spaeter war ich wachsamer und musste noch ein paarmal Affen verscheuchen.
Am Spaetnachmittag hab ich dann Einsiedlerkrebse beobachtet. Das sind vielleicht putzige Tierchen! Die ulkigsten, die ich kenne. Sie sehen wirklich aus wie Cartoonfiguren, als haette ihnen jemand kleine Antennchen und grosse Comic-Augen aufgeklebt. Man sieht eigentlich nur ihre kleinen Scherchen, mit denen sie emsig ueber den Sand tapsen, und hochaufgerichtete Augen auf kleinen Stielen, und ein paar winzige Antennen, die ihnen in witzigen Figuren abstehen. Sooo lustig! Ich haette sie wirklich stundenlang beobachten koennen. Vielleicht kann ich ja doch noch ein paar nette Fotos von ihnen machen.
So, jetzt mach ich Schluss, ich glaube, die machen hier zu.
Que les vaya muy bien, hasta la proxima!

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